(Melissa officinalis)

Die Zitronenmelisse zählt zu den traditionsreichen Kräuterpflanzen Europas und wird seit Jahrhunderten in Gärten und Klosteranlagen kultiviert. Charakteristisch sind ihre weich behaarten, leicht gezähnten Blätter und ihr deutlich zitronenartiger Duft. In historischen Kräuterbüchern und der europäischen Pflanzenkunde findet die Melisse regelmäßig Erwähnung. Dieses Pflanzenportrait bietet eine sachliche Übersicht zu botanischen Merkmalen, Inhaltsstoffen sowie zur traditionellen Bedeutung der Zitronenmelisse.
Kurzportrait
Die Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ist eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Ursprünglich stammt sie aus dem Mittelmeerraum und Westasien, wird jedoch seit langer Zeit auch in Mitteleuropa kultiviert und kann stellenweise verwildert vorkommen.
Die Pflanze wächst buschig und bildet zahlreiche verzweigte Triebe. Besonders auffällig ist der intensive zitronenartige Duft, der beim Zerreiben der Blätter freigesetzt wird.
Erkennungsmerkmale der Zitronenmelisse
Wuchs & Blätter
- breit eiförmige bis herzförmige Blätter
- deutlich gezähnter bis gekerbter Blattrand
- gegenständige Blattstellung
- leicht runzelige Blattoberfläche
- Blätter und Stängel teilweise fein behaart
- vierkantiger Stängel, typisch für viele Lippenblütler
- charakteristischer zitronenartiger Duft beim Zerreiben der Blätter
Blüte & Standort
- kleine weißliche bis blassgelbe oder leicht rosafarbene Blüten
- Blüten sitzen in den Blattachseln
- Blütezeit überwiegend im Sommer
- bevorzugt warme und geschützte Standorte
- häufig in Kräuter-, Bauern- und Klostergärten zu finden
- Wuchshöhe meist etwa 40 bis 90 Zentimeter
Zitronenmelisse in der traditionellen Pflanzenkunde
Die Zitronenmelisse blickt auf eine lange Geschichte als Kultur- und Kräuterpflanze zurück. Bereits in historischen Kräuterbüchern wurde die Melisse beschrieben und später besonders in Kloster- und Apothekergärten angebaut.
Auch ihr botanischer Gattungsname Melissa besitzt eine interessante kulturgeschichtliche Bedeutung. Das Wort geht auf das Griechische zurück und bedeutet „Biene“. Die Bezeichnung verweist auf die Bedeutung der blühenden Pflanze als Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten.
In der europäischen Volks- und Klosterkunde wurden die aromatischen Blätter auf unterschiedliche Weise verarbeitet. Die überlieferten Anwendungen gehören zum historischen Pflanzenwissen und sind von einer heutigen medizinischen Bewertung zu unterscheiden.
Inhaltsstoffe der Zitronenmelisse
In der pflanzenkundlichen Fachliteratur werden für die Blätter der Zitronenmelisse verschiedene natürliche Pflanzenstoffe beschrieben. Ihre Zusammensetzung und Konzentration können unter anderem vom Standort, Erntezeitpunkt und Entwicklungsstadium der Pflanze abhängen.
Ätherisches Öl
Zu den beschriebenen Bestandteilen gehören unter anderem:
- Citral
- Citronellal
- Geraniol
- weitere aromatische Bestandteile in unterschiedlichen Konzentrationen
Der Anteil an ätherischem Öl in den Blättern ist vergleichsweise gering, prägt jedoch wesentlich den charakteristischen Duft der Pflanze.
Phenolische Verbindungen
- Rosmarinsäure
- weitere Hydroxyzimtsäure-Derivate
Flavonoide
- verschiedene natürlich vorkommende Flavonoidverbindungen
Gerbstoffartige Verbindungen
- verschiedene pflanzliche Polyphenole
Weitere Pflanzenstoffe
- unterschiedliche sekundäre Pflanzenstoffe
- natürliche Bitter- und Aromastoffe
Zitronenmelisse als Kräuterpflanze in der Küche
Die Zitronenmelisse wird aufgrund ihres frischen, zitronenartigen Aromas vielseitig in der Küche verwendet. Besonders junge Blätter eignen sich für verschiedene Speisen und Getränke.
Beispiele für Zubereitungen:
- Kräutertee
- Kräuterlimonade
- aromatisiertes Wasser
- Kräuteressig
- Desserts und Süßspeisen
- Obstsalate
- Kräutermischungen
Da das Aroma der frischen Blätter vergleichsweise empfindlich ist, werden sie in der Küche häufig erst kurz vor dem Servieren hinzugefügt.
Sammeln der Zitronenmelisse – kulturkundliche Hinweise
In überlieferten und heutigen kräuterkundlichen Sammlungspraktiken wird empfohlen:
- nur eindeutig bestimmte Pflanzen zu sammeln
- unbelastete Standorte zu wählen
- junge und unbeschädigte Blätter zu bevorzugen
- Blätter und Triebspitzen möglichst vor oder zu Beginn der Blüte zu ernten
- beim Sammeln ausreichend Pflanzenteile für das weitere Wachstum stehen zu lassen
Für die Trocknung werden die Blätter traditionell möglichst schonend und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt getrocknet, da das charakteristische Aroma bei längerer Lagerung und ungünstigen Bedingungen nachlassen kann.
Hinweis
Die dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information über Pflanzen und ihre kultur- und pflanzenkundliche Bedeutung.
Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen nicht die fachliche Beratung durch Arzt oder Apotheker.
