(Achillea millefolium)

Die Schafgarbe gehört zu den bekanntesten heimischen Wildpflanzen Europas. Ihre fein gefiederten Blätter und die zahlreichen kleinen, meist weißen Blüten machen sie zu einer charakteristischen Pflanze von Wiesen, Wegrändern und anderen offenen Standorten.
Seit Jahrhunderten findet die Schafgarbe Erwähnung in der europäischen Pflanzenkunde und Volksüberlieferung. Dieses Pflanzenportrait bietet eine sachliche Übersicht zu botanischen Merkmalen, Inhaltsstoffen sowie zur traditionellen und kulturgeschichtlichen Bedeutung der Schafgarbe.
Kurzportrait
Die Gewöhnliche Schafgarbe (Achillea millefolium) ist eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae).
Sie ist in weiten Teilen Europas verbreitet und wächst bevorzugt auf Wiesen, Weiden, an Wegrändern und auf anderen sonnigen bis halbschattigen Flächen.
Besonders auffällig sind ihre fein zerteilten Blätter. Der botanische Artname millefolium bedeutet sinngemäß „tausendblättrig“ und nimmt Bezug auf dieses feingliedrige Erscheinungsbild.
Erkennungsmerkmale der Schafgarbe
Wuchs & Blätter
- mehrjährige krautige Pflanze
- aufrechter, meist unverzweigter oder im oberen Bereich verzweigter Stängel
- längliche, stark und mehrfach gefiederte Blätter
- feine, fast federartige Blattstruktur
- Wuchshöhe häufig etwa 20 bis 80 Zentimeter
- bildet durch unterirdische Ausläufer teilweise größere Bestände
Blüte & Standort
- zahlreiche kleine Blütenkörbchen
- meist weiße, gelegentlich rosafarbene Blüten
- Blütenkörbchen stehen in dichten, flach wirkenden Blütenständen zusammen
- Blütezeit hauptsächlich vom Frühsommer bis in den Herbst
- bevorzugt Wiesen, Weiden, Wegränder und Böschungen
- häufig an sonnigen Standorten zu finden
Botanisch betrachtet handelt es sich bei dem scheinbar großen Blütenstand nicht um eine einzelne Blüte. Er besteht aus zahlreichen kleinen Blütenkörbchen, die wiederum aus mehreren Einzelblüten zusammengesetzt sind.
Schafgarbe in der traditionellen Pflanzenkunde
Die Schafgarbe besitzt eine lange Geschichte in der europäischen Pflanzenkunde. Sie wird bereits in historischen Kräuterbüchern beschrieben und gehörte vielerorts zu den bekannten Pflanzen des ländlichen Alltags.
Überliefert sind unterschiedliche Zubereitungen aus Blüten und oberirdischen Pflanzenteilen. Dazu gehörten beispielsweise Aufgüsse, Kräutermischungen, Bäder und äußerlich verwendete Pflanzenzubereitungen.
Auch der Gattungsname Achillea verweist auf eine alte Überlieferung. Er wird mit dem griechischen Helden Achilles in Verbindung gebracht, der der Legende nach Schafgarbe zur Versorgung von Wunden verwendet haben soll.
Diese Erzählung gehört zur mythologischen und kulturgeschichtlichen Überlieferung und ist nicht mit einem historischen Nachweis gleichzusetzen.
Inhaltsstoffe der Schafgarbe
Für die Schafgarbe wird in der Fachliteratur eine komplexe Zusammensetzung verschiedener Pflanzenstoffe beschrieben.
Flavonoide
- Apigenin-Derivate
- Luteolin-Derivate
- weitere Flavonoide
Phenolische Verbindungen
- verschiedene Phenolsäuren
- Kaffeesäure-Derivate
Bitterstoffe
Die Schafgarbe enthält verschiedene bitter schmeckende Pflanzenstoffe, die zum charakteristischen Geschmacksprofil der Pflanze beitragen.
Ätherisches Öl
Die oberirdischen Pflanzenteile enthalten ätherisches Öl. Dessen Zusammensetzung kann je nach Herkunft, Unterart und Chemotyp deutlich variieren.
Beschrieben werden unter anderem:
- Sabinen
- 1,8-Cineol
- verschiedene weitere Mono- und Sesquiterpene
Bei bestimmten Schafgarben können außerdem Vorstufen vorkommen, aus denen bei der Wasserdampfdestillation blau gefärbtes Chamazulen entsteht.
Weitere pflanzliche Begleitstoffe
- Gerbstoffe
- Cumarine
- Sesquiterpenlactone
- verschiedene weitere sekundäre Pflanzenstoffe
Die genaue Zusammensetzung kann abhängig von Standort, Pflanzenteil und Entwicklungsstadium variieren.
Schafgarbe als Wildpflanze in der Küche
Die Schafgarbe findet auch als aromatische Wildpflanze Verwendung. Besonders junge Blätter besitzen einen kräftigen, würzig-herben und leicht bitteren Geschmack.
In kleinen Mengen werden sie beispielsweise verwendet für:
- Wildkräuterbutter
- Kräuterquark
- Wildkräutermischungen
- Kräutersalz
- Salate
- würzige Kräutergetränke
Aufgrund ihres intensiven Aromas wird Schafgarbe meist sparsam eingesetzt.
Diese Beispiele geben traditionelle beziehungsweise kulinarische Verwendungsweisen wieder.
Sammeln der Schafgarbe – kulturkundliche Hinweise
In traditionellen Sammlungspraktiken wurden je nach Verwendungszweck Blätter, Blüten oder die oberen blühenden Pflanzenteile gesammelt.
Dabei wird häufig beschrieben:
- nur eindeutig bestimmte Pflanzen zu sammeln
- unbelastete Standorte zu wählen
- junge Blätter vor beziehungsweise zu Beginn der Blüte zu sammeln
- blühende Pflanzenteile während der Blütezeit zu ernten
- Pflanzenmaterial luftig und vor direkter Sonne geschützt zu trocknen
Da die Schafgarbe zur Familie der Korbblütler gehört, sollte insbesondere bei bekannten Allergien gegenüber Korbblütlern Vorsicht beachtet werden.
Traditionelle Verarbeitung
Die Schafgarbe wurde in der europäischen Pflanzenkunde auf unterschiedliche Weise verarbeitet.
Überliefert beziehungsweise heute verbreitet sind beispielsweise:
- getrocknetes Schafgarbenkraut
- Schafgarbentee
- Kräutermischungen
- Kräuterbäder
- Sitzbäder
- Tinkturen und alkoholische Auszüge
- Kräuteröl
- Kräutersalz
- Schafgarbe als Bestandteil von Wildkräutergerichten
Die genannten Beispiele dienen der Darstellung traditioneller und kulturkundlicher Verwendungsweisen.
Schafgarbe in Brauchtum und Volksglauben
Neben ihrer Verwendung als Pflanze spielte die Schafgarbe auch im europäischen Volksglauben eine Rolle.
Sie wurde regional mit Schutz, Liebe und Weissagung verbunden. Aus verschiedenen Gegenden sind Bräuche überliefert, bei denen Schafgarbe beispielsweise unter das Kopfkissen gelegt oder für Liebesorakel verwendet wurde.
Solche Überlieferungen zeigen, welchen kulturellen Stellenwert die Pflanze früher besaß. Sie sind als volkskundliche Bräuche und nicht als naturwissenschaftliche Aussagen zu verstehen.
Hinweis
Die dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information über Pflanzen und ihre kultur- und pflanzenkundliche Bedeutung.
Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen nicht die fachliche Beratung durch Arzt oder Apotheker.
Bei bekannten Allergien gegen Korbblütler ist besondere Vorsicht im Umgang mit der Pflanze und entsprechenden Zubereitungen geboten.
